20. Januar 2026 | Was macht eigentlich…

Was macht eigentlich…

…Tabea Frank, die mittlerweile bei Borussia Dortmund spielt und kürzlich zu einem U20-Lehrgang des DHB eingeladen wurde?

Tabea, was ist deine Rolle in der Handball-Welt?

Mit Borussia Dortmund spiele ich sowohl in der A-Jugendbundesliga als auch in der zweiten Damenmannschaft in der Regionalliga. Ein Großteil des Kaders der zweiten Damenmannschaft  besteht aus den A-Jugendlichen.

 

Und jetzt, ganz aktuell, habe ich auf Social Media gesehen, dass du auf sogenannten „DHB-Lehrgängen“ warst. Was ist das, wie läuft das ab?

Der U20-Lehrgang des DHB fand in Stralsund und Neubrandenburg statt – von Montagmorgen bis Sonntag, also eine ganze Woche. Für mich war es nach längerer Zeit mal wieder ein Lehrgang, sodass ich viele Teilnehmerinnen nicht kannte oder lange nicht gesehen hatte.
Zum Start gab es Tests in Athletik, Kraft und Ausdauer. Danach führte das Trainerteam mit jeder Spielerin ein Einzelgespräch als Auftakt und zum besseren Kennenlernen. Bis Donnerstag folgten verschiedene Trainingseinheiten, und am Freitag sowie Samstag standen Länderspiele gegen die U20 von Polen auf dem Programm.

Wie waren die Spiele für dich?

Sportlich gab es zwei deutliche Siege für uns. Besonders in Neubrandenburg war die Kulisse in der Halle mit über 2000 Zuschauern großartig. Für mich waren es die ersten Länderspiele – das Einlaufen und die Hymnen waren sehr besondere Momente. So richtig realisiert habe ich das noch nicht.
Im ersten Spiel wurde ich zur zweiten Halbzeit eingewechselt und konnte gleich ein Tor aus dem erweiterten Gegenstoß erzielen – das war ein tolles Gefühl.
Direkt danach ging es weiter: Montag bis Mittwoch war ich in Witten bei einem Beachhandball-Lehrgang in einer umgebauten Beachvolleyballhalle.

 

Was heißt das denn für die Schule, da warst du demnach ja 1,5 Wochen gar nicht mehr?

Das ist richtig. Dadurch habe ich beide Leistungskurs-Klausuren verpasst und muss sie nachholen. Dafür war ein Antrag auf Befreiung beim Schulleiter zu stellen. Ich finde es toll, dass  die Schule mir da grundsätzlich schon sehr viel ermöglcht. . Insgesamt bekomme ich das gut hin und mache mir keine konkreten Sorgen mit dem Pensum, auch wenn es manchmal etwas viel ist.

 

Lass uns mal zurückschauen, deine Handballkarriere startete in Oberursel?  Wie war das damals?

Angefangen habe ich tatsächlich beim SV Seulberg, das muss so mit 7 oder 8 Jahren gewesen sein, in der E-Jugend. Dort gab es damals kein Mädchenteam, so dass ich zu Beginn in der Jungenmannschaftgespielt habe.

Zum zweiten Jahr D-Jugend bin ich dann zur TSG Oberursel in die Mädchenmannschaft gewechselt und blieb dort bis zum Ende des ersten B-Jugendjahres.

 

Bist du manchmal noch in Oberursel, verfolgst du dein altes Team?

Ja, erst kürzlich war ich in der Halle, als die 1.Damen gegen den Tabellenzweiten aus Lumdatal gewonnen haben – tolles Spiel und verdienter Sieger! Wenn ich mal zu Hause bin, verbringe ich sonst die meiste Zeit mit Freunden und Familie.

 

Und wie bist du dann nach deiner Zeit in Oberursel in Dortmund gelandet?

Ich bin hier auf einem Sportinternat seit mittlerweile über 2 Jahren. Wir haben hier viele Handballerinnen unter den ca. 30 BewohnerInnen, aber es gibt zum Beispiel auch SchwimmerInnen oder LeichtathletInnen. Wir sind damals zu zweit aus Oberursel hierhergekommen, Mathilde und ich, und ich kannte auch schon einige Mädels aus Auswahlmannschaften, was gerade zu Beginn die Integration sehr erleichtert hat.

Zum Beginn der 11. Klasse bin ich hierher gewechselt und fühle mich sehr wohl. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bad, darüber hinaus gibt es Gemeinschaftsräume wie Küche, Wohnzimmer etc. Ein oder mehrere Betreuer sind als Ansprechpartner immer vor Ort.

Ich besuche die Eliteschule des Sports und bin inzwischen in der 13. Klasse. Verein, Internat und Schule sind gut abgestimmt – wenn wir vormittags Training haben, wird der Stundenplan angepasst, und wenn mal Klausuren wegen Spielen verpasst werden, findet man problemlos gut passende Nachschreibetermine.

 

Was hat dich gereizt, den Handballsport dann schon mit so viel Engagement weiterzuverfolgen, also den Schritt zu einem hohem Leistungsanspruch zu gehen?

Der Reiz begann auf jeden Fall schon in Oberursel, mit der B-Jugend waren wir sehr erfolgreich und wurden Hessenmeister. Insbesondere haben mir auch die verschiedenen Auswahlmannschaften Spaß gemacht und mich motiviert. Da gab es regelmäßig Lehrgänge und Turniere. Natürlich habe ich schon damals private Termine wie zum Beispiel Geburtstagseinladungen verpasst, aber der Handball gibt einem viel zurück – gerade, weil es ein Teamsport ist.

Ich habe klassisch die Auswahlmannschaft im Bezirk und dann später in Hessen durchlaufen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch gar keine konkreten Ziele, später einmal in einem Handballinternat oder gar bei Borussia Dortmund zu landen. Über eine DHB-Sichtung im Jahr 2022 kam der Kontakt dorthin zustande und so spiele und lebe ich jetzt in Dortmund.

Du sagst schon, es ist ein großer Aufwand. Wie sieht denn so eine typische Trainingswoche aus?

Meistens sieht es grob so aus:

  • Montag: Krafttraining, direkt an der Schule gibt es einen neuen Kraft- und Gymnastikraum, sehr praktisch
  • Dienstag: meistens ist morgens früh und abends Handballtraining
  • Mittwoch: morgens Krafttraining und abends Handballtraining
  • Donnerstag: abends Training bei der 1. Damenmannschaft
  • Freitag: morgens Krafttraining und abends Handballtraining

 

Das Training mit den 1. Damen ist dann schon etwas Besonderes?

Nach mittlerweile sechs Monaten und einem gemeinsamen Trainingslager im Sommer habe ich mich ganz gut daran gewöhnt. Aber ja, gerade zu Beginn war es speziell, da hatte ich schon großen Respekt. Nun kennt man sich ja, ist sich menschlich nähergekommen und trainiert einfach zusammen. Es gibt dann gute Tipps von erfahrenen Spielerinnen wie Alina Grijseels oder Lisa Antl – da versuche ich viel mitzunehmen.

 

Tabea, du erwähntest vorhin auch einen Lehrgang im Beachhandball. Wie stehst du zu dieser Spezialdisziplin?

Zuletzt hatte ich eher weniger Berührungspunkte mit dieser Handball-Variante, daher kam die Einladung zum Lehrgang ein wenig überraschend. Der Lehrgang lief wirklich gut und hat mir viel Spaß gemacht. Ich bin auch zu einem weiteren Lehrgang eingeladen worden.

Beim Beach-Handball kommt mir sicherlich zugute, dass meine Stärke die Abwehrarbeit ist und man entweder im Angriff oder in der Abwehr zum Einsatz kommt. Aufgrund meiner Körpergröße kann ich in der Deckung, die ja permanent in Unterzahl spielt, dann recht gut eingesetzt werden.

Beachhandball war bei Männern und Frauen in Deutschland sehr erfolgreich in den letzten Jahren, ich finde, für die Zuschauer ist das sehr spannend anzuschauen.

 

Was möchtest du in deiner Handball-Karriere, was hast du da noch vor?

Grundsätzlich würde ich schon mal gerne bei den Aktiven in einem internationalen Wettbewerb auflaufen, das reizt mich auf jeden Fall, zum Beispiel in der Europa League oder in der Champions League. Ich bin noch jung und habe noch viel Zeit, so dass ich mir da jetzt keinen Druck mache mit einer konkreten Timeline oder Ähnlichem. Schön wäre es, eines Tages mal in der A-Nationalmannschaft zu spielen, aber das ist noch ein sehr langer Weg.

 

Hast Du noch Tipps für unseren Handball-Nachwuchs in Orschel?

Ja klar: das Allerwichtigste ist, nicht den Spaß zu verlieren. Es gibt immer mal schlechte Phasen, ein schlechtes Training, ein schlechtes Spiel – dranbleiben und weiter an sich arbeiten. Es kann nicht immer bei allen perfekt laufen, aber wer dranbleibt, entwickelt sich weiter!